Die Geschichte des Aufzugs
 

 

Im alten Rom war Tierhetze eine beliebte Unterhaltung. Aber wie gelangten die wilden Löwen, Panther, Elefanten, Keiler und Nashörner von ihren Käfigräumen in den Kellern nach oben zur Arena des Kolosseums? Per Aufzug natürlich. Hebevorrichtungen sind beinahe so alt wie die Zivilisation. sie wurden von Menschen, Tieren oder der Wasserkraft angetrieben. Der Mathematiker, Physiker und Ingenieur Archimedes (3. Jhdt. v. Chr.) führte verbesserte Modelle mit Seilen und einem Flaschenzug ein. 1203 installierte man ein Hebegerät in der Abtei Mont St. Michel an der Nordküste Frankreichs. Es wurde von Eseln angetrieben. Spätestens ab 1400 benutzten griechische Mönche Aufzüge, um die hoch auf Felsen gelegenen Meteoraklöster mit Lebensmitteln zu versorgen. Der französische König Louis XV. ließ 1743 einen Lift in Versailles bauen, der ihn zum Appartement seiner Geliebten brachte. Der so genannte “Fliegende Stuhl” arbeitete mit Gegengewichten, Hebeln und einem Flaschenzug. Im 19. Jahrhundert machten sich Erfinder die Dampfkraft zunutze. 1823 konnten sich zahlende Zuschauer in London in die Höhe hieven lassen, um einen Panoramablick der Stadt zu genießen. Sie mussten allerdings Mut beweisen, denn das Seil konnte jederzeit reißen. Solche Befürchtungen hemmten den Siegeszug des mechanischen Aufzugs. Wie konnte ein genialer Erfinder diese beseitigen? Auf dramatische Weise präsentierte Elisha Graves Otis seinen absturzsicheren Fahrstuhl im Jahr 1854. Er stieg auf dessen Plattform und ließ sich in die Höhe befördern. Dann befahl er einem Assistenten dessen einziges Tragseil durchschneiden. Das versammelte New Yorker Publikum hielt den Atem an - Der Aufzug bremste sich von selbst, und die Sicherheit war damit eindrucksvoll vorgeführt – seine Erfindung funktionierte tadellos. Otis hatte eine Wagenfeder oben auf dem Lift montiert, an der das Seil hing. Das Gewicht der Kabine dehnte die Stahlfeder. Riss das Hubseil, verkürzte sich die Feder und wurde breiter. Seitlich an ihr angebrachte Bolzen, nach außen gerichtet, griffen dann sofort in gezahnte Führungsschienen auf den Seiten des Schachts ein und stoppten abrupt den Fall. Otis änderte nun seine Pläne, das Glück im kalifornischen Goldrausch zu suchen. Stattdessen eröffnete er ein Geschäft in New York. Dank der neuen Erfindung konnten jetzt Gebäude in die Höhe schießen. Galt früher das erste obere Stockwerk als besonders noble (Beletage), gewann nachher das hochgelegene Penthouse an Prestige. Mit der nun geschaffenen Möglichkeit, sichere Personenaufzüge einzusetzen, begann der Siegeszug der Wolkenkratzer, deren obere Stockwerke erst durch Aufzüge bequem zu erreichen waren. In Europa setzten sich Aufzüge erst in den 1870er Jahren durch, nachdem auf der Weltausstellung 1867 in Paris erstmals ein Hydraulikaufzug präsentiert worden war. 1880 wurde von Werner von Siemens der erste elektrische Aufzug in Mannheim vorgestellt. Die Otis Elevator Company lieferte 1903 die ersten getriebelosen Aufzüge für das Beaver Building in New York und das Majestic Building in Chicago. In der Folge änderte sich die architektonische Gestaltung großer Wohn- und Bürokomplexe. Galten zuvor mehr als vier Etagen als geradezu gesundheitsgefährdend, konnte nun mit dem Aufzug nahezu unbegrenzt in die Höhe gebaut und die oberen Etagen dennoch bequem erreicht werden. Die Wertigkeit der verschiedenen Ebenen kehrte sich ebenfalls um: „der Aufzug beendet die Ära der Bel Etage und begründet die des Penthouse“ (Andreas Bernard). Heute ist der Fahrstuhl Massentransportmittel Nummer 1. Statistisch gesehen fährt jeder Erdbewohner damit alle drei Tage. Er ist auch wesentlich sicherer als Kraftfahrzeuge, Boote oder Flugzeuge. Allein New York City zählt 58 000 Aufzüge und könnte in seiner modernen Form ohne sie nicht existieren. Die Firma, die Otis gründete, ist heute Bestandteil der United Technology Corporation und gehört immer noch zu den führenden Produzenten

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